Zungen aus Feuer
Zungen aus Feuer › Jagddichtung

CCIX — Er beschreibt einen Falken, der Enten jagt

16 Verse
Zum Kontext

Eine ṭardiyya (Jagd-Ekphrasis) von großer technischer Genauigkeit — der Falke wird über die ganze Länge des Gedichts hin beobachtet, vom ruhenden Vogel im Morgengrauen bis zum tödlichen Sturzflug.

01Schau ihn dir an. Ganz braun. Mit scharfem Schnabel, die Spitze wie aus grimmem Schwert geformt.
02Sein Auge, rot gefärbt vom Blut der Schicksalsgöttin; sein ernster Blick vertreibt ein jedes Lächeln.
03Es scheint, als trüg er auf der Brust ein weißes Blatt, durchwirkt, beschrieben noch mit feiner Feder.
04Er jagt mit Klauen, schleudert sie nach vorn und stürzt sich in ungehemmter Lust auf seine Beute.
05Am frühen Morgen beginnt er seine Jagd nach den Scharen der Wüstenflughühner, von denen ihn tiefe Bergschluchten trennen.
06Am frühen Morgen schon bringt er der Taubenschar den Tod, mit zuckenden Flügeln sinkt sie zur Erde,
07wie eine Fahne, die im Sturmwind überm Horizont des Krieges weht.
08Und wenn die Nacht schwindet, spähen die ersten Strahlen der Morgendämmerung vom Gipfel des Berges herab.
09Er bleibt dort. In ihm gibt es keine Angst. Nur die tiefe Gewissheit, das Unmögliche möglich machen zu können.
10Er reißt die Augen auf und lässt sie kühn umherwirbeln; sie leuchten wie Blitze.
11Er schüttelt sich den Tau aus den Federn, wie sich sonst nur edle Rosse schütteln.
12Du bemerkst die Federn oberhalb seiner Flanken, übereinandergelegt wie Bläschen auf einem edlen, unverfälschten Wein.
13Sieh seinen Blick. Der Glanz der Sonnenstrahlen färbt die Wimpern mit dem Morgenrot.
14Im sicheren Gefühl der Überlegenheit ruht der Jäger — schimmernd wie ein Karneol.
15Dann wandelt er sich plötzlich, stürzt aus der Höh herab, wie ein Wurfgeschoss, dahingeschleudert von der Mangonelle.
16Du glaubst es, wenn Du die sterbende Beute gewahrst, deren Brust er in zwei Teile gerissen hat.
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