XLIX — Ein Ausfall ins Land der Rūm
10 Verse
1–3 Regen und Blitz
4–5 Ritt über gefrorenen Boden
6–10 Überfall und Beute
Zum Kontext
Im Manuskript überschrieben: „Er erzählt von einer Schar von Kämpfern, die einen Überfall durchführt, nachdem sie aus muslimischen Ländern in jene der Rūm eingefallen waren. Sie durchbrachen die Reihen des Feindes, ergriffen die Beute und kehrten nach Hause zurück. Der Ausfall fand gegen Ende des Winterregens statt, in der kalten Jahreszeit, wenn die Erde gefroren ist.“ Das Gedicht beginnt nicht mit dem Kampf, sondern mit einem Bild des Winterregens: Die Wolken weinen, doch ihre Tränen sind süß, weil Regen Süßwasser ist. Erst dann folgt der Ritt, und die Kälte wird zur Taktik: Über den gefrorenen Boden reiten die Kämpfer, ohne Staub aufzuwirbeln, der den Feind warnen könnte.
01Schau auf ihre Tränen. Könnte man sie kosten, schmeckten sie süß
obwohl die Tränen der Augen eigentlich salzig sind.
02Ein Lüftchen melkt [die Wolken], wenn ihre Milch reichlich herabströmt
dann werden aus ihren Zitzen die weiten Ebenen genährt und die Schluchten der Berge.
03Ein zuckender Blitz durchquert sie, und schimmert wie eine
Lampe die sich entzündet und verklingt.
04Wir reiten über gefrorenen Boden, damit die Feinde
nicht vom Staub gewarnt, aufgewirbelt von Galopp unserer Pferde
05Auf vielen Hufen mit feinen Fesseln sitzt ein Smaragd
sie zerstören das gefrorene Kristall der Ebenen über die sie jagen
06Wie oft rief man den Löwen des Krieges zu: „Haltet an! Wir sind vor dem Tod durch feindliche Hand sicher!“ Und sie hielten an.
07Auf jeder Spitze steckt ein Turban, als wär die Lanze
gekrönt vom Stoße des Schwerts.
08Die magre Stute wird an der Mähne geführt, angespornt durch den
der ihr nachjagt auf dem Pferde
09Die schlanken Körper ihrer erschreckten Fohlen, die hinter den
Reitern herrennen, erscheinen wie Pfeile
10Wir richten ein rasches Gemetzel an unter den Rum, mitten unter uns warn ihre
Schädel gespalten von unseren den Lanzen.